Presse
Rezension des Schulkonzertes im Rahmen des 9. Internationalen
Musikfestes in Goslar am 2.09.2011
In 80 Minuten am
Klavier durch die Musikepochen
von Ulrich Kiehne
Pianistin
Meryem Akdenizli zu Gast in der Aula des Schulzentrums
In der zweiten diesjährigen Veranstaltung des Projekts
„Klassik im Klassenzimmer“ des Internationalen
Musikfestes Goslar mit der Realschule Seesen und dem Jacobson-Gymnasium
unternahm die Pianistin Meryem Natalie Akdenizli mit den anwesenden
jugendlichen Zuhörern der beiden Schulen eine musikalische
Reise durch die Epochen vom Barock bis hin zur Avantgarde.
Unterbrochen von kurzen Einführungen in die
anschließend erklingenden Werke präsentierte die
junge Künstlerin ein technisch und für die Ohren der
anwesenden Schüler anspruchsvolles Programm, das von Johann
Sebastian Bach über Ludwig von Beethoven und Franz Liszt bis
hin zu Claude Debussy reichte. Mit der Toccata-Fantasia des
zeitgenössischen Komponisten Janez Maticic, einer Hommage des
1926 geborenen Slowenen an Johann Sebastian Bach, schlug sie
abschließend einen Bogen zurück zum Anfang ihres
Konzertes.
Dabei beeindruckte die anwesenden Schüler wohl am meisten ihr
scheinbar müheloser Wechsel zwischen der ebenso
kraftvoll-virtuosen wie einfühlsamen Behandlung des
Steinway-Flügels in der Aula des Schulzentrums und den im
charmanten Plauderton gegebenen Informationen mit Klangdemonstrationen
zum besseren Verständnis der Musik.
Gekonnt stellte Akdenizli schülernahe Bezüge
(„Liszt – der größte Popstar des
19. Jahrhunderts“) zu den von ihr vorgetragenen Werken her
und ermöglichte den jungen Hörern so Zugänge
zur hohen Kunst ihrer Musik. Darüber hinaus gab sie Anekdoten
(eine Locke von der Haarpracht Liszts bzw. seines Hundes für
die weiblichen Verehrerinnen) und bildhafte Veranschaulichungen der
Musik durch außermusikalische Beispiele – immer
aber nicht zum Selbstzweck oder zur bloßen Unterhaltung,
sondern zum tieferen Verständnis der Werke. Denn sie ist nach
eigener Aussage fest davon überzeugt, dass auch
Schüler komplizierte Musik verstehen können. Deshalb
möchte sie sie auch nicht mit „seichten
Stücken“ abspeisen, sondern präsentierte
den Seesener Schülern – übrigens
prinzipiell auch am Vormittag im vollen Konzert-Outfit – mit
Bachs Chromatischer Fantasie, dem letzten Satz aus Beethovens
Appasionata, Liszts Ballade Nr. 2 und Debussys Prélude Feux
d´artifice durchaus keine leichte Kost.
Gymnasiasten wie Realschüler lauschten der Musik hoch
konzentriert und waren von der Leistung der jungen Profimusikerin, mit
der sie die Aulabühne teilen durften, so
überwältigt, dass ihnen am Schluss der Veranstaltung
kaum noch Fragen an die Pianistin einfielen. Immerhin erfuhren sie noch
einiges aus der Welt des Klaviers und der Konzertpianisten
über asiatischen Drill und Tricks beim Auswendiglernen.
Darüber hinaus erhielten sie nicht nur einen
Überblick über wesentliche Epochenmerkmale, der
über das Fach Musik weit hinausging, sondern haben zudem eine
sympathische, junge Künstlerin kennen gelernt, die
über ihre pianistischen Fähigkeiten hinaus einen
Gutteil ihrer Publikumswirkung dadurch erzielt, dass sie ganz in der
Musik, die sie spielt, aufgeht und es ihr ein spürbares
Herzensbedürfnis ist, dieses Erleben an andere weiterzugeben.
Quelle: beobachter-online.de
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